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NUMBERS, NAMES & LOVE

Eine Kollaboration zwischen Laura kalauz und Marina Belobrovaja.

Kunstschaffende So:ren Berner, Martin Schick, Diana Rojas, Almut Rembges, MitarbeiterInnen des Bevölkerungsamtes und 5 spirituelle BeraterInnen: Eva Fritzsche, Oliver Bosshard, Angela Joly-Borth, Adele Kehl und Gabi Wolpert.

Die Aufgaben eines Bevölkerungsamtes umfassen die Regulierung grundlegendster Problematiken der Stadtbevölkerung: hier werden Geburt, Identität, Ehe, Partnerschaft und Tod verwaltet, hier kreuzen sich die Lebenslinien aller offiziell erfassten EinwohnerInnen der Stadt.

Während der Recherchephase des Projektes haben wir uns mit den Unternehmensstrukturen und Arbeitsweisen des Bevölkerungsamtes auseinandergesetzt, um die geplanten Interventionen den gewöhnlichen Abläufen im Haus möglichst genau anzupassen. Die von uns konzipierten Interventionen sollten in den Arbeitsalltag des Amtes so unauffällig integriert werden, dass sie von den BesucherInnen nicht sofort unter dem Prädikat „Kunst“ gelesen werden konnten. Durch die unmittelbare Mitwirkung der Mitarbeitenden an der Durchführung der Aktion wurde die Glaubwürdigkeit der „neuen Arbeitsmethoden“ des Hauses zusätzlich verstärkt.

Während der Projektwoche fanden BesucherInnen an verschiedenen Orten im Bevölkerungsamt Serviceangebote vor, die unerwartete Seiten der städtischen Verwaltung ans Licht bringen sollten – Beamtentum unmittelbar am Puls der grössten Zäsuren menschlicher Existenz – eine unscheinbare und zugleich unumgängliche gesellschaftliche Notwendigkeit – zwischen Macht und Dienstleistung, Emotion und Kontrolle.?Auf folgende Extraservices wurden die BesucherInnen des Bevölkerungsamtes durch die im ganzen Haus ausgetauschte Beschilderung und entsprechende Flyers aufmerksam gemacht:

LIEBESPRÜFSTELLE / Anmeldung im Büro 203 Für heiratswillige Paare wurde beim Zivilstandsamt im zweiten Stock des Bevölkerungsamtes ein Büro eingerichtet, in dem sie einen „Liebestest“ absolvieren konnten. In Anlehnung an die Dramaturgie von Befragungen, die beim Verdacht auf Scheinehe durchgeführt werden, sollten die Paare einige Fragen von den MitarbeiterInnen des Bevölkerungsamtes rund um das Thema Partnerschaft (zeitgleich, jedoch von einander getrennt) beantworten. Die Prozedur wurde den BesucherInnen als ein Bestandteil des üblichen bürokratischen Ablaufs kommuniziert. Im Anschluss an die Befragung wurden die digital erfassten Antworten mittels einer Software ausgewertet, worauf das Paar ein ausgedrucktes Formular mit prozentual ausgerechneten Angaben zu folgenden Kriterien erhielt: Zuneigung, Engagement, Vertrauen, Respekt und Kompatibilität.

LEBENSINFORMATIONSDIENST / Eingangsbereich im EG. 

Der Infostand wurde im Erdgeschoss des Bevölkerungsamtes eingerichtet und bestand aus einer grauen Theke mit der üblichen Ausschilderung „I“ wie Information. Die Informationen, die hier von den BesucherInnen des Bevölkerungsamtes erfragt werden konnten, waren jedoch keine gewöhnlichen. Durch ein zusätzliches Schild wurde darauf hingewiesen, dass bei diesem Infostand ausschliesslich Fragen zu Themen wie: Liebe, Leben, Zukunft, Krisen, Finanzen, Beziehungen, Glück etc. beantwortet werden können.
Der Stand wurde abwechselnd von 5 für das Projekt engagierten WahrsagerInnen und unter Einsatz von spirituellen Techniken wie Kartenlegen, Handlesen, Aurascannen sowie spiritueller Gesprächsanalyse betreut.

BÜRO FÜR PARALLELE GESCHICHTENERFASSUNG / Büro 301
Für die Erfassung biographischer Daten der Zürcher Bevölkerung wurde im dritten Stock ein von den MitarbeiterInnen des Bevölkerungsamtes geführtes Büro eingerichtet. Hier wurden BesucherInnen mit Fragen aus dem vorbereiteten Fragenkatalog konfrontiert und ihre Antworten jeweils schriftlich und akustisch erfasst. Die erschaffene Interviewsituation war in ihrem Verlauf an die üblichen bürokratischen Befragungsvorgänge angelehnt. Inhaltlich umkreisten die gestellten Fragen jedoch ganz persönliche, emotionale Erlebnisse und Erinnerungen der BesucherInnen.
Das auf diesem Wege gesammelte Material wird voraussichtlich in Form eines „Zürich-Romans“ für die Weiterführung des Projektes im Juli 2010 verwendet.

TRANSFERDIENST / Fahrstuhl des linken Gebäudeflügels
Beim Betreten des Gebäudes wurden die BesucherInnen mit einem für den behördlichen Kontext ungewöhnlichen Service konfrontiert – ein Liftboy (in einer authentischen Uniform gekleidet) kümmerte sich durchgehend um die Beförderung der Bevölkerung zu den verschiedenen Stockwerken des Hauses. Neben der Betätigung der Lift-Knöpfe unterrichtete der Liftboy die BesucherInnen über die neuen „Extraservices“ des Bevölkerungsamtes.
In seiner Rolle übernahm er die Funktion des „roten Fadens“ der Aktion und involvierte die BesucherInnen implizit in das Spiel zwischen Realität und Inszenierung, das sie während der Projektwoche im gesamten Haus vorfinden sollten.

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